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Mittelhochdeutsch

1. Zeitliche und rдumliche Gliederung.
Die mhd. Zeitperiode dauerte von ? 1050 bis ? 1350. Diese Epoche ist ein Wendepunkt nicht nur in der Entwicklung der Geschichte Deutschlands, sondern ganz Europas. Das ist der Hцhepunkt in der Entwicklung des Feudalsystems.
In dieser Zeit unterscheidet man 2 Hauptkassen: Feudalherren und leibeigene Bauern. Die Aristokratie und das Rittertum bilden sich zu einem bestimmten gesellschaftlichen Stand heraus.
Diese Epoche ist durch einen bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, durch die Entwicklung von Geldwirtschaft, Handel und Gewerbe, durch das Beginnende Wachstum der Stдdte gekennzeichnet.
Die Entwicklung des Ritterstandes fцrderte den Drang nach Osten. Das kam in den so genannten Kreuzzьgen zum Ausdruck.
Die Epoche der Kreuzzьge nach Palestina, sogenannte Ostkolonisation (“Drang nach Osten”) erreicht in den Jahren 1150 bis 1350 ihren Hцhepunkt. Auswanderer, besonders aus dem niederdeutschen, mittel- und ostfrдnkischen sowie aus dem bayrischen Raum besiedeln die slawischen Gebiete цstlich der Flьsse Elbe und Salbe: Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Schlesien. Die meisten slawischen Ortsnamen werden eingedeutscht: Brandenburg (Бранний Бор), Leipzig (Липськ), Lausitz (Лужиці), Pommern (Помор’я).
In der Geschichte der Ostexpansion spielten die deutschen Ritterorden (“Deutscher Orden”, “Orden der Schwertbrьder”) eine besondere Rolle. Im 13. Jh. erobert der deutsche Orden auch OstpreuЯen. (Weiterem Drang dieses Ordens nach Osten wird 1410 durch die Schlacht bei Grundwald Halt gebote). Im 14. Jh. findet die deutsche Sprache auch in Bцhmen und Mдhren Verbreitung.

2. Die mittelhochdeutschen Territorialdialekte
In den besetzten Territorien entstanden neue Dialekte. Sie unterschieden sich sehr stark von den althochdeutschen Dialekten. Sie entstanden infolge der Integration der Dialekte (durch Mischungs- und Verschmelzungsprozesse).
z.B. Wдhrend der Norden und der Nordosten des besetzten Gebietes vorwiegen aus dem Nordwesten des Altlandes (d.h. Niederdeutsch) besiedelt wurden, weisen die ostmitteldeutschen Mundarten, neben mittelhochdeutschen auch niederdeutsche und oberdeutsche Zьge auf, denn an der Besiedlung dieses Gebietes waren Siedler aus verschiedenen Teilen des Altlandes Beteiligt.
Man gliedert die mhd. Territorialdialekte ( fьr das XIII - XIV Jh. folgenderweise :
I. Niederdeutsche Dialekte:
1. Niederfrдnkisch
2. Niedersдchsisch
3. Ostniederdeutsch ( Meklenburgisch, Brandenburgisch ( Mдrkisch ), Pommersch,
PreuЯisch )
II. Mitteldeutsche Dialekte :
1. Rheinfrдnkisch
2. Mittelfrдnkisch : Moselfrдnkisch, Ripuarisch
3. Hessisch
4. Ostmitteldeutsch : MeiЯnisch oder Obersдchsisch, Thьringisch, Schlesisch.
III. Oberdeutsche Dialekte :
1. Schwдbisch - Alemannisch
2. Bairisch - Цsterreichisch
3. Sьdfrдnkisch
4. Ostfrдnkisch
3. Sprachdenkmдler des Mittelhochdeutschen.
Geistliche Literatur
“Annolied” Entstand um 1090 im Siegburger Benediktiner kloster.
Minnesang. In Deutschland entwickelte sich um die Mitte des 12.Jh. durch Einflьsse franzцsischer Troubadourspoesie eine ritterliche Lyrik, Minnesang (mhd. minne 'Liebe') genannt. Die Minnesanglyrik besang weltliche Freuden, behauptete das Recht des Menschen auf Liebe und Glьck im Gegensatz zur klerikalen Literatur. Man unterscheidet die “niedere minne” und “hohe minne”. Die “niedere Minne” besang die Liebe zu einfachem Mдdchen . In den Lieder kommen ein Werben um eine bestimmte Person, eine persцnliche Sehnsucht nach ihr und die Sorge um ihren Verlust (Heinrich von Veldeke, Dietmar von Aist, der Ritter von Kьrenberg). Das Lied der “hohen Minne” richtete sich an die “Herrin”, an die verheiratete Frau, die meistens fьr den Autor unreichbar ist, weil sie in der Gesellschaft eine hцhere Stellung als er nimmt. Der Dichter preist die Schцnheit und hцfische Tugenden seiner Dame. Die bekanntesten Sдngern sind Heinrich von Morungen, Reinmar der Alte von Hagenau, Friedrich von Hausen.
Walther von der Vogelweide (um 1170 — 1230) ist der grцЯte Lyriker der mhd. Zeit. Walthers NachlaЯ ist vielseitig: lyrische Lieder, Tagelieder, Kreuzlieder, Sprьche u.a. In seinen Gedichten versucht er den Unterschied zwischen “hoher minne” und “niederer minne” auszugleichen.
Volksepos. Dem Volksepos liegen germ. Sagen zugrunde; es ist aber dem hцfischen Geist angepaЯt.
“Nibelungenlied” Die Dichtung gehцrt zum Anfang des 13.Jh. Inhaltlich reicht das Werk auf die Epoche der Vцlkerwanderung zurьck. Hier sind zwei Sagenkreise vereint, die altgerm. mythische Erzдhlung von Siegfrid und Brunhild und historische Ereignisse aus urgerm. Zeit: der Untergang der Burgunder und Attilas (Etzels) Tod. Der Dichter ist unbekannt. Vielmehr stellt es das Werk vieler Generationen dar. Im ersten Teil des Liedes wird der Tod des kьhnen Siegfrieds geschildert, im zweiten Teil — die schreckliche Rache seiner Frau Kriemhilde an den Mцrdern ihres Gemahls.
Hцfisches Epos (Ritterroman). Das hцfische Epos schildert den Idealtyp des tapferen, tugendhaften und maЯvollen Ritters. Als Vorlagen dienten franzцsische Nachdichtungen der keltisch - britanischen Heldensagen von Kцnig Artus und seinen Mдnnern. Die bedeutendsten Epiker sind: Begrьnder des dt. Hofromans Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von StraЯburg.
Hartmann von Aue war der alemannische Dichter. Sein dichterisches Schaffen fдllt in die Zeit von 1170 bis etwa 1215. Seine beiden groЯen Epen “Erec” und “Iwein” schildern Artursritter im Konflikt zwischen Ehre und minne 'Liebe'. Die groЯe Anerkennung verschaffte ihm das Epos “Der arme Heinrich”.
Wolfram von Eschenbach entstammte einem ostfrдnkischen ritterlichen Geschlecht. Er gilt als der beste Menschenschilderer unter der mhd. Dichtern. Sein Hauptwerk “Parzival” beschreibt eines einfдltigen Knaben, der seine ritterlichen Anlage zuerst nicht kennt, wurde spдter zum Ritter und schlieЯlich zum Gralskцnig. Seine epischen Dichtungen “Titurel” und “Willehalm” blieben unvollendet.
Gottfried von StraЯburg schrieb eine klare, klangvolle Sprache. Er war bьrgerlicher Herkunft. Um 1210 schrieb er sein einzigen Roman “Tristan und Isolde”. Der Werk blieb unvollendet. Der Dichter hat den Stoff seiner franzцsischen Vorgдnger ьber die Liebe zwischen Tristan, dem Neffe des Kцnigs Marke von Kornwall, und Markes Gemahlin, der Kцnigin Isolde, benutzt.
4. Der Wortschatz des Mittelhochdeutschen.
Fьr den Wortschatz sind 2 entgegengesetzte Richtungen charakteristisch:
1. Die weitere Vertiefung der mundartlichen Unterschiede unter den Verhдltnissen der feudalen Zersplitterung.
2. Der Ausgleich der mundartlichen Differenzen, welche durch den Verkehr zwischen den einzelnen Lдndern ermцglicht wird.
Die Besonderheiten in der Entwicklung des mittelhochdeutschen Wortschatz:
1. Der Abfall einen gewissen Anzahl veraltender Wцrter. Die veraltende Wцrter werden durch jьngere Wцrter verdrдngt.
z.b. ahd. tult ‘Kirchenfest‘ wird durch das ahd. fira, mhd. vire ‘Feier‘ und durch mhd. vest (‘Fest‘ — aus dem lat. Adj. festus) verdrдngt.
Das ahd. kuninstuol ‘Kцnigsstuhl‘ weicht im 13. Jh. dem aus dem Franzцsischen entlehnten mhd. thron.
2. Der Bedeutungswandel.
Viele Wцrter дnderten ihre Bedeutungen.
z.B. ahd. hel > mhd. hell zuerst bedeutet ‘tцnend’, ‘hallend’; im Mhd. auch ‘licht’, ‘glдnzend’.
ahd., mhd. hogezit ‘Fest’ im Mhd. wird auch in der Bedeutung ‘Hochzeit’
ahd. sero ‘schmezlich’ im Mhd. begann man dieses Wort zur Bezeichnung der Intensivitдt zu gebrauchen.
3. Die Entwicklung der abstrakten Lexika.
GroЯe Bedeutung fьr die Entwicklung der abstrakten Lexik durch Abteilung, Zusammensetzung und durch die Bedeutungswandel hatten die phisophischen Schriften der Mystiker im 12.-14. Jh.
begreifen, Eigenschaft, Verstдndnis, Eindruck, EinfluЯ. Zufall, einleuchten, einstehen, eigentlich, gelassen, bildlich, Einbildend, unaussprechlich, grundlos.
Die Mystiker bedienten sich den neuen Suffixen – heit, -nis, -ung.
4. Wortschatz der hцfischen Dichtung und des Heldenepos.
Sehr viele Wцrter wurden aus dem Franzцsischen entlehnt. Sie widerspiegeln verschiedene Seiten des ritterlichen Lebens.
mhd. kastel ‘Turnier’, panzier ‘Panzer’, palas ‘Saalbau’, vloite ‘Flцte’, turnei ‘Turnier‘.
Aus der Franzцsischen Sprache wird auch das Suffix –ieren entlehnt: parlieren, buchstabieren.
5. Die Entwicklung der Berufslexik.
Mit der Entwicklung des Handels, der Gewerbe, kommen neue Wцrter auf.
mnl. ware, mhd. ware ‘Gewahrsam’, mhd. stapel, fracht.
arzat (Arzt), antwerker (Handwerker), beker (Bдcker)
bot, mazgenoze (Matrose)
Entlehnungen aus benachbarten Sprachen:
aus dem Italienischen — netto, bank, konto;
aus den slawischen Sprachen — graupe (tschech. kroupa), grenze (poln. graniza), gurke (poln. ogorek), quark (poln. twarog)
aus dem Lateinischen — grammatic, arithmetica, musika, astronomie.
DAS PHONOLOGISCHE SYSTEM DES MITTELHOCHDEUTSCHEN.
1. Die Abschwдchung der Vokalphoneme.
Im Wurzelmorphem kommen im Mittelhochdeutschen verschiedene Vokale vor. In den Nach- und Vorsilben hдngt der Gebrauch der Vokalphoneme von der Betonnung ab.
Die langen und kurzen Vokale (a, o, u, i, e, a, o, u, i, e) wurden in unbetonnten Stellung zu [?] abgeschwдcht oder sie verschwanden ьberhaupt.
a) Abschwдchung der Vokale:
ahd. Taga > mhd. Tage
ahd gesti > geste
ahd krefti > krefte
ahd mahon > mahen
b) Schwund der Vokale am Wortende oder in der Wortmitte:
ahd. Groziro > mhd. Grњzer
herison > hersen (herrschen)
ginada > g(e)nade (Gnade)
Die Prдfixe, wenn sie unbetont sind, weisen auch das abgeschwдchte e auf:
z.B. ahd. virneman > mhd. vernemen
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Abschwдchung der Vokale und dem Charakter der Wortbetonung. Die germanische Akzentverlagerung auf die Stammsilbe begьnstigte eine verschiedenartige Entwicklung der Vokale in betonten und unbetonten Silben und bildete die Voraussetzung fьr die Abschwдchung der Vokale in unbetonten Silben.
Die unbetonte Stellung im Wort war eine der Voraussetzungen fьr den Schwund der meisten stammbildenden Suffixe der Substantive:
z.B. germ. *daga? > ahd. Tag
2. Die weitere Entwicklung des Umlauts. Neue Vokalphoneme
(s. Primдrumlaut (ahd. Vokalismus)).
Umlaut erschien zuerst in der vorliterarischen Zeit im Norden. Und von hier aus verbreitete er sich nach Sьden. Aber seine Kraft nimmt er mit dem Vordringen nach Sьden an. Deshalb haben einige Wцrter, die in die deutsche Gegenwartssprache aus den sьddeutschen Dialekten ьbernommen wurden, keinen Umlaut: Rucksack, drucken.
Im Mittelhochdeutschen erschien in allen Fдllen der Ausnahme (s. Der althochdeutsche Vokalismus) der Umlaut. Diesen Umlaut bezeichnet man Sekundдrumlaut (вторинний умлаут) zum Unterschied des Primдrumlauts des Althochdeutschenn.
Der Sekundдrumlaut entwickelte sich sehr oft nach Analogie:
Ast — Дste
FuЯ — FьЯe
Und in vielen Fдllen diente er zur Bezeichnung des Plurals der Substantive. Entscheidend fьr die weitere Entwicklung des Umlauts war die Abschwдchung der Vokalphoneme.
Die Abschwдchung der Vokalphoneme fьhrte dazu, daЯ die Endungen der Wцrter in vielen Fдllen zusammenfielen:
ahd. sconi > mhd. skњne
scono > skone
3. P. Pl. Prдt. waruen > waren
3. P. Pl. Konj. wari > wдre
Infolge dieser Abschwдchung entstanden im Mittelhochdeutschen folgende neue Vokalphoneme:
lange Vokale:
ahd. a > mhd. a oder ж
warun > waren
wari > wдre
ahd. o > mhd. o oder њ
sconi > skњne
scono > skone
ahd. u > mhd. u oder iu/ui [y:]
kuning > kuinec
hut > huti
kurze Vokale:
ahd. o > mhd. o oder ц
hoh > hoh
hohiro > hцher
ahd. u > mhd. u oder ь
sun > sun
suni > sьn
Diphthonge:
ahd. ou > mhd. ou oder цu
troum > troum
troumen > trцumen
ahd. uo > mhd. uo oder ьe
wuohs > wuohs
(Konj) wuohse > wьechse
Der Umlaut kommt in den Wortverдnderungen und in der Wortbildung vor.
Die Wortverдnderung:
1) als Kennzeichen des Plurals:
ahd. gast — Pl. gesti > mhd. gast — Pl. geste
2) als Kennzeichen der Steigerungsform:
ahd. alt — eltiro — eltisto
mhd. alt — elter — eltest
3) als Kennzeichen der 2. und 3. Person Sg. Prдsens:
ahd. faran — 2. P. Sg. Prдs. feris(t) — 3. P. Sg. Prдs. ferit
mhd. faren — ferest — feret
4) als Kennzeichen des Prдteritums Konjunktiv:
ahd. helfan — 1. S P. Sg. Prдt. Konj. hulfi
mhd. helfen — hьlfe
Warum? helfan — half — hulfum — giholfan
Die Wortbildung: Macht — mдchtig; Kraft — krдftig
3. Die Entwicklung neuer Konsonantenphonemen [ ? ] und [z].
Das Althochdeutsch besaЯ kein [ ? ]. Die Buchstabengruppe sch bezeichnet jetzt einen einfachen Laut. Die komplizierte Schreibung erklдrt sich dadurch, daЯ dieses Phonem aus der Verbindung sk im 13. Jh. entwickelt hat. Man nimmt an, daЯ der Laut k zuerst dem vorausgehenden s assimiliert wurde, um dann spдter mit ihm zu verschmelzen:
s + ch = sch
Dasselbe geschah in Englischen — got. skip > ship (Schiff).
Seit dem 13. Jh. wird s zu sch vor dem Konsonanten l, m, n, p, t, w:
ahd. sneo > mhd. sne > nhd. Schnee
ahd. swarz > mhd. swarz > nhd. schwarz
Das Phonem [ z] entstand aus dem Phonem [s]. Das Phonem wurde im Wortanlaut und im Wortinlaut vor Vokalen stimmhaft:
ahd. sin, mhd. sin [s] > nhd. sein [z]
ahd. lesan, mhd. lesen [s] > nhd. lesen [z]
4. Auslautverhдrtungsgesetz (закон оглушення дзвінкого приголосного в кінці слова)
Es besteht darin, daЯ die stimmhaften Gerдuschlaute nur im Anlaut und im Inlaut gebraucht werden. Im Auslaut werden sie durch die stimmlosen Konsonanten ersetzt.
ahd. [tag] > mhd. [tac]
ahd. [lob] > [lop]
5. Die Verдnderungen im System einiger Vokalphoneme.
Neben der Entwicklung einiger neuen Vokalphoneme fand im Mittelhochdeutschen der entgegengesetzte Vorgang statt, d.h. Schwund alter Phoneme (einigen). Das geschah im Untersystem der Diphthonge.
Der Diphthong iu wurde zu einem langen Monophthong ь und somit verschmilzt er mit dem entstehenden Umlaut von langem u.
Es war hiuten [iu] — wurde hiute [y:].
Wegen der Abschwдchung der unbetonten Vokale wurden Diphthonge io und ia (Varianten eu) zu ie.
ahd. biotan > mhd. bieten
hior > hier
DAS MORPHOLOGISCHE STRUKTUR DES MITTELHOCHDEUTSCHEN (1)
DAS SUBSTANTIV
Das mittelhochdeutsche Substantiv behдlt die vom Althochdeutschen vererbten Kategorien sowie deren morphologischen Ausdrucksmittel. Auch die Einteilung der Substantive in vokalische und konsonantische Deklination je nach dem Typ des stammbildenden Suffixes zwischen der Wurzel und der Flexion bleibt bestehen, obwohl dieses Suffix sich nicht mehr herausfordern lдЯt. Die Endsilbenvokale a, e, i, o, u werden zu einem e [?] abgeschwдcht.
Die Kasusflexion der Substantive wird auf vier Endungen (-e, -es, -en, –er) reduziert. Die Vereinfachung der Flexion ruft einen Ausgleich im Deklinationssystem hervor. Die Deklination der Substantive richtet sich nun immer mehr nach dem grammatischen Genus. Dafьr wдchst die Rolle der das Substantiv begleitenden Pronomen und Artikel.
Eine wichtige Neuerung in der Morphologie des mittelhochdeutschen Substantivs ist der Schwund des Instrumentalis. Es wird durch prдpositionale Fьgungen mit durch, mit, von ersetzt.
DAS WERDEN DER STARKEN UND SCHWACHEN DEKLINATION DER SUBSTANTIVE
Bei den Maskulina und Neutra entwickelt sich bereits zu Beginn der mittelhochdeutschen Sprachperiode eine Deklination aller ehemaligen vokalischen Stдmme. In ihr treten bereits deutlich die Kennzeichen der heutigen starken Deklination hervor.
Maskulina
(alte a-St. i-St. ja-St. wa-St.)
Sg. N. tac gast hirt snк
G. tag-es gast-es hirt-es snк-wes
D. tag-e gast-e hirt-e snк-we
A. tac gast hirt snк
Pl. N. tag-e gast-e hirt-e snк-we
G. tag-e gast-e hirt-e snк-we
D. tag-en gast-en hirt-en snк-wen
A. tag-e gast-e hirt-e snк-we
Die Unterschiede zwischen den ehemaligen vokalischen Stдmmen sind auf wenige Resterscheinungen reduziert. Die e-, i-Stдmme unterscheiden sich von den a-St. nur durch den Umlaut im Plural.
Die ja-St. unterscheiden sich von den a-St. nur durch die Endung –e ( mhd. gebe
slahta > slahte
aber zala > zal
nadal > nadel
Die ehemalige konsonantische Deklinationstyp
Die Deklination der ehemaligen n-Stдmme bildet die schwache Deklination. Im Mittelhochdeutschen umfaЯt sie Maskulina, Feminina und Neutra. Die Substantive dieses Deklinationstyps bewahren ihr ehemaliges stammbildendes Suffix –n. Es erfьllt zusammen mit dem begleitenden Vokal die Funktion der Kasusendung.
Feminina — zunge, katze, sunne
Neutra — herza, ore, wange, ouge
Maskulina — hane, brunne, sterne
Mask. Fem. Neutr.
Sg. N. han-e zung-e herz-e
G. han-en zung-en herz-en
D. han-en zung-en herz-en
A. han-en zung-en herz-e
Pl. N. han-en zung-en herz-en
G. han-en zung-en herz-en
D. han-en zung-en herz-en
A. han-en zung-en herz-en
Die weitere Entwicklung des Artikels
Seit Beginn der mittelhochdeutschen Zeit wird auch der unbestimmte Artikel regelmдЯig gebraucht. Auf diese Weise entsteht die Opposition zwischen dem Substantiv mit dem bestimmten Artikel und dem Substantiv mit dem unbestimmten Artikel. Sie prдgt die grammatische Kategorie der Bestimmtheit und Unbestimmtheit zu einer vollentwickelten Kategorie der Substantive.
DAS ADJEKTIV
In der starken Deklination haben sich nominale (guot kint, guotes kindes) und pronominale (guotes kint, guotem kint) Formen erhalten. Kennzeichnend fьr das mittelhochdeutsche adjektivische Paradigma ist die Abschwдchung der Endsilbenvokale.
ahd. guotaz > mhd. guotez
guota > guote
Die schwache Deklination unterscheidet sich von dem nhd. Zustand nur durch die Formen des Ak. Sg. bei den Feminina.
z.B. mhd: die roten bluome — nhd. die rote Blume
Die Suffixe des Komparativs und des Superlativs bekommen die Klangform –er, -est:
ahd. -ir > mhd. -er ahd. -ist > mhd. -est
-or -est
Der Umlaut von diesen Suffixen wird zum morphologischen Merkmal der 2. und 3. Steigerungsstufen der Adjektive:
ahd. skoni — skon-ir-o — skon-ist-o
mhd. skoni — skon-er — skon-est
nhd. schцn — schцner — schцnest
ahd. lang — leng-ir-o — leng-ist-o
mhd. lang — leng-er — leng-est
nhd. lang — lдng-er — leng-est
Die suppletiven Steigerungsformen bleiben auch weiter erhalten:
guot — bezzer — best «gut»
ьbel — wirser — wirsest «schlecht»
michel — mer(e) — meizt «groЯ»
lutzel — minner — minnest «klein»
DAS PRONOMEN
Die Deklination der Personalpronomen der 1. und 2. Person im Mittelhochdeutschen ist der des Ahd-en identisch.
Die Deklination des Personalpronomen der 3. Person sieht folgendermaЯen aus:
Mask. Neutr. Femin.
Sg. N. er es si, sо, siu, sie
G. sоn, es sоn, es ir(e)
D. im(e) im(e) ir(e)
A. in es sie, si, sо, siu
Pl. N. sо, si siu sie
G. ir(e) ir(e) ir(e)
D. in in in
A. sо, si siu sie
Demonstrativpronomen
Mask. Neutr. Femin.
Sg. N. der das diu
G. des des der(e)
D. dem(e) dem(e) der(e)
A. den das die
Pl. N. die diu die
G. der(e der(e) der(e
D. den den den
A. die diu die
DAS MORPHOLOGISCHE STRUKTUR DES MITTELHOCHDEUTSCHEN (2)
DAS VERB
Neuerungen im verbalen Paradigma
Das Paradigma des mittelhochdeutschen Verbs war im weitgehenden Umbau begriffen. Die grammatischen Kategorien bekamen einen mehr normierten und differenzierenden Ausdruck.
In dieser Periode entwickelten sich die analytischen Zeitformen Perfekt und Plusquamperfekt. Die grammatische Kategorie des Futurs kommt immer mehr in Gebrauch. Das System der verbalen Zeitformen wird durch die sogenannten absoluten und relativen Zeiten ausgebaut. Es entwickelten sich auch die Kategorie der Modi (vor allem) Konjunktiv.
Die Konjugation des mittelhochdeutschen Verbs ist im Vergleich zum ahd. Sprachzustand mehr vereinheitlicht.
Starke Verben
Prдsens Indikativ
Infinitiv: mhd. helfen faren stigen
Partizip Prдs. mhd. hilfende farende stigende
Partizip Prдt. mhd. geholfen gefaren gestigen
Prдsens Prдterit
Sg. 1. hilf-e Pl. 1. helf-(e)n
2. hilf-(e)st 2. helf-(e)t
3. hilf-(e)t 3. helf-(e)nt
Im Mittelhochdeutschen wird der Themavokal zu e [?] abgeschwдcht. Auch die Vokale der Personalendungen werden zu -e reduziert:
ahd. hilfu > mhd. hilfe
ahd. hulfum > mhd. hulfen
Zweisilbige Flexionen werden infolge der Abschwдchung unbetonter Vokale einsilbig:
Prдs. 1.P.Pl. ahd. far-a-mes > mhd. far-en
dion-o-mes > mhd. dienen
Die sieben ahd. Ablautsreihen nehmen im Mittelhochdeutschen folgende Form an:
I. Ablautsreihe
1. ahd. grifan — greif — grifum — gigrifan
mhd. grifen — greif — grifen — gegrifen
2. ahd. zihan — zeh — zigum — gizigen
mhd. zihen — zech — zigen — gezigen
II. Ablautsreihe
1. ahd. liogan — loug — lugum — gilogan
mhd. liegen — louc — lugen — gelogen
2. ahd. giozan — goz — guzzum — gigozzan
mhd. giezen — goz — guzzen — gegozzen
III. Ablautsreihe
1. ahd. bintan — bant — buntum — gibuntan
mhd. binden — bant — bunden — gebunden
2. ahd. werfan — warf — wurfum — giworfan
mhd. werfen — warf — wurfen — geworfen
IV. Ablautsreihe
ahd. neman — nam — namum — ginoman
mhd. nemen — nam — namen — genomen
V. Ablautsreihe
ahd. geban — gab — gabum — gigeban
mhd. geben — gap — gaben — gageben
VI. Ablautsreihe
ahd. faran — fuor — fuorum — gifaran
mhd. faren — fuor — fuoren — gefaren
VII. Ablautsreihe
1. ahd. lazan — liaz — liazzum — gilazzan
mhd. — — — —
2. ahd. heizan — hiaz — hiazum — giheizan
mhd. heizen — hiez — hiezen — geheizen
3. ahd. loufan — liof — liofum — giloufan
mhd. loufen — lief — liefen — geloufen
Die vier Stammformen des starken Verbs zeigen, dass im hochmittelalterischen Deutsch noch ein Vokalunterschied zwischen Singular und Plural des Prдterits bestand.
Auch im Mittelhochdeutschen finden sich Spuren des grammatischen Wechsel in der Flexion der starken Verben:
wesen — waren
Schwache Verben
Die ahd. Suffixe der schwachen Verben werden im Ahd. zu –e abgeschwдcht und so existiert der morphologische Unterschied der frьheren drei Klassen nicht mehr:
ahd. mhd.
1. Klasse suochen suochen
2. Klasse dionon dienen
3. Klasse leben leben
Das prдsentische Paradigma des schwachen Verbs entspricht im allgemeinen dem des starken Verbs. Der Unterschied betrifft die Imperativendung –e. AuЯerdem gibt es hier keine Verдnderung des Wurzenvokals.
Die Endung der 1. P,Sg –m (bei den schwachen Verben der 2. und 3. Klasse) weist der typische Endung –e. Das Prдteritum wird mit dem Dentalsuffix –te (nach Nasalen bzw. Liquida hдufig mit –de) gebiltet:
Sg. 1. suochte dienete lebete
2. suochtest dienetest lebetest
3. suochte dienete lebete
Pl. 1. suochten dieneten lebeten
2. suochtet dienetet lebetet
3. suochten dieneten lebeten
UnregelmдЯige Verben
Prдterito-Prдsentia. Diese Verben bewahren im Mittelhochdeutschen folgende Formen:
Infinitiv Prдsens Prдteritum Partizip II
wizzen weiz\wizzen wiste gewist
tugen «tauge, nьtze» touc\tugen tohte —
gunnen «gцnnen» gan\gunnen gunde gegunden
kunnen «wissen, verstehen kan\kunnen, kьnnen kunde —
durfen «bedьrfen» darf\durfen, dьrfen dorfte bedorft
— «ich wage» tar\turren, tьrren torste —
soln, scholn «verpflichtet sein» sal,sol\suln, sьln solte, solde —
mugen, mьgen «vermцgen» mac\mugen, mьgen mahte, mohte —
mьezen «sollen, mьssen» muoz\muozen, mьezen muoste —
Bei den meisten Verben dieser Gruppe ist das Partizip II im Mittelhochdeutschennicht belegt.
Sin (wesen). Das Paradigma des Prдsens Indikativ:
Sg. 1. bin Pl. 1. birn, sоn
2. bist 2. birt, sоt
3. ist 3. sint
Die konjunktivischen Formen weisen keine bedeutenden Abweichungen vom ahd. Zustand auf. Fьr das Prдterit werden die Formen des starken Verbs wesen ausgenutzt (was — wвren), der grammatische Wechsel s – r blebt noch erhalten).
Gкn (gehen), stкn (stehen). Diese Verben behalten ihr ahd. Paradigma. Nur in der 1. P.Sg. und Pl. haben sich als zweite Variante die Formen gвn, stвn bereits eingebrьget. Die Prдteritalformen sind: gienc, stuont (1. P.Sg.), giengen,stuonten (1.P.Pl.), also hier kommen die Formen der starken Verben der 6. und der 7. Ablautsreihe stantan und gangan zum Gebrauch. Partizip II lautet gegangen, gestanden.
Tuon „tun“
Sg. 1. tuon Pl. 1. tuon Sg. 1. tete Pl. 1. taten
2. tuost 2. tuot 2. taete 2. tatet
3. tuot 3. tuont 3. tete 3. taten
Bildung des Konjunktivs
Im Konjunktiv des mittelhochdeutschen Verbs fдllt das reduzierte Suffix des Prдterits (i > e) mit dem des Prдterits zusammen. Bei den starken Verben bleibt sowohl im Prдsens, als auch im Prдterit der Unterschied zwischen den indikativischen und konjunktivischen Formen erhalten.
Indikativ Konjunktiv
Sg. 1. fare gibe far-e geb -e
2. farкs gibest far-est geb -est
3. fare gibet far-e geb -e
Pl. 1. farкn geben far-en geb -en
2. farкt gebet far-et geb -et
3. farкn gebent far-en geb -en
Im Bereich der schwachen Verben besteht der einzige Unterschied in der Flexion der 3. P.Sg. im Prдsens
Ind. er suochet Kon. er suoche
Alle ьbrigen Formen fallen im Indikativ und Konjunktiv zusammen.
Der Imperativ der starken Verben hat in der 2. P.Sg. keine Flexion: die schwachen Verben haben hier die Endung –e. Im Plural sind die Endungen des Imperativs gleich denen des Prдsens Indikativ.


Література
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